Jenseits des EBITDA: Warum Investoren Plattform-Unternehmen anders bewerten
Die digitale Transformation sollte nicht mehr als Kostenstelle wahrgenommen werden. Die eigentliche Herausforderung 2026 ist es, Technologie-Investitionen in strategische Vermögenswerte umzuwandeln, die die Unternehmensbewertung vervielfachen.
Veröffentlicht am 2025-11-19 von Nathalie Lamborghini Dumas.
In vertraulichen Managementrunden kehrt eine Frustration immer wieder: Warum werden manche Technologieunternehmen zu zweistelligen Umsatz-Multiplikatoren gehandelt, während solide, profitable Industrie-KMU Mühe haben, ihr EBITDA angemessen zu bewerten?
Die Antwort liegt in der Physik des Geschäftsmodells.
Lineares vs. exponentielles Wachstum
Ein traditionelles Unternehmen arbeitet linear: Für 10% mehr Umsatz müssen oft 8-9% mehr Kosten aufgebracht werden. Ein Plattform-Unternehmen orchestriert Interaktionen und fängt bei jeder Transaktion einen Teil des geschaffenen Wertes ab. Das bewerten Investoren: die Fähigkeit, Umsätze schneller als Kosten wachsen zu lassen.
Vom technischen Schuldenposten zum strategischen Vermögenswert
Die offensive Vision besteht darin, von interner Optimierung zu externer Monetarisierung überzugehen. Ruhende Daten sind Speicherkosten; zirkulierende Daten in einem Ökosystem sind ein hochmargiger Umsatzstrom.
Relationales Kapital als wertvollster unsichtbarer Vermögenswert
Das Plattformmodell baut Verteidigungsgräben auf Basis von Netzwerkeffekten. Dieses relationale Kapital ist für Wettbewerber fast unmöglich zu replizieren.
Orchestrierung statt Besitz
Die Schlüsselkennzahl der kommenden Jahre wird Kapitaleffizienz sein. Die Ankunft agentischer KI verstärkt diesen Hebeleffekt: Autonome Agenten für repetitive Aufgaben entkoppeln Umsatzwachstum vom Personalwachstum.
Zwei Modelle, die sich gegenseitig verstärken
Die leistungsstärksten Unternehmen sind „ambidexter": Sie lassen lineares Geschäft und Plattformlogik in Synergie koexistieren. Der Hagedorn-Konzern illustriert diesen Ansatz.
Die Frage beim nächsten CODIR ist nicht „Was kostet es?", sondern: Welche schlafenden Vermögenswerte würden mehr wert sein als unser aktuelles Geschäft, wenn sie auf eine Plattform gebracht würden?